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Echte Einsatzbeispiele
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Das NKT hilft, wenn der Notarzt nicht mehr helfen kann.
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Die folgenden Beispiele dokumentieren die ehrenamtliche Arbeit aller Helferinnen und Helfer des Notfall-Krisen-Teams. Zwar sind aus Gründen des Datenschutzes sämtliche Namen, Zeit- und Ortsbezüge gestrichen, dennoch handelt es sich um "echte" Notfall-Einsätze, die viele verschiedene Einsatzkräfte des NKT so erlebt und aufgeschrieben haben. (Die rein zufällige Häufung von Suiziden ist nicht repräsentativ für die Art der NKT-Einsätze - sie steht aber dafür, daß die Betreuung der Angehörigen nach diesen Todesfällen großen Eindruck auf unsere Helferinnen und Helfer gemacht hat):
Betreuung eines Mannes und seiner Kinder nach dem Suizid seiner Frau / ihrer Mutter
Nach der Einsatzmeldung machte ich mir Gedanken darüber, in welcher Verfassung wir den Ehemann und vor allem die Kinder antreffen werden, wie ihre Reaktion auf diese Nachricht ist. (Die Kinder - im Alter von 15 und 17 Jahren - waren noch in der Schule und wussten nichts vom Tod ihrer Mutter.) Der Ehemann war sehr froh, als wir kamen. Er hatte Angst davor, seinen Kindern zu sagen, daß ihre Mutter tot ist. Sie war schon seit Jahren depressiv, hatte mehrere Selbstmordversuche hinter sich und war zuletzt in einer Klinik, wo sie sich auch das Leben genommen hatte. Die Tochter befand sich ebenfalls in psychotherapeutischer Behandlung, der Sohn hatte eine sehr enge Beziehung zur Mutter. Nach Ankunft der Kinder waren wir noch rund zwei Stunden zusammen. Es war geradezu faszinierend, dem Mann zuzuhören, zu spüren, welche Kraft trotz - oder gerade wegen - seiner Situation von ihm ausging. Er versicherte uns mehrmals, daß er nicht gewusst hätte, wie er allein seinen Kindern diese Mitteilung hätte machen sollen und bedankte sich sehr bei uns. Mir war einmal mehr klar geworden, wie wichtig es ist, Menschen in Krisen nicht allein zu lassen und ich konnte mit einem sehr guten Gefühl wieder nach Hause gehen.
Besuch bei den Eltern eines Unfallverursachers
Wir betreuten die Eltern eines 20-jährigen, der einen Unfall verursacht hatte, bei dem die entgegenkommende Autofahrerin ums Leben gekommen war. Unsere Arbeit war sinnvoll, weil beide Elternteile nach durchwachter Nacht und nüchtern (das heißt: unterzuckert) dem Zusammenbruch nahe waren - der Vater mehr als die Mutter - und wir erst einmal für das Nötigste (Essen und Trinken) sorgten. Da es ein Samstag war, informierten wir außerdem den ärztlichen Notdienst, besprachen rechtliche Folgen und konnten die Angst davor ein wenig lindern. Wir versuchten, weitere Schritte zu klären, wie zum Beispiel den Besuch bei den Hinterbliebenen der Gegenseite. Meine Gefühle? Vor dem Einsatz: Was werden wir antreffen? Während des Einsatzes war klar: Die Eltern sind jetzt das Wichtigste - wie werden sie damit leben lernen, daß der Sohn einen solchen Unfall verursacht hat? Danach blieb bei mir das Gefühl: Auch in unserer Familie kann das jederzeit geschehen. Ich war erleichtert, daß sich die Eltern bei unserem Abschied bedankten und uns den Eindruck vermittelten, daß sie wieder Boden unter den Füßen hatten.
Ankunft der Kosovo-Flüchtlinge
Am meisten bewegten mich die Einsätze bei der Betreuung der Kosovo-Flüchtlinge während ihrer Ankunft am Baden-Airport in Söllingen - besonders das Schicksal der Kinder. Der Sinn meiner Arbeit war, für die Flüchtlinge kurzfristig da zu sein, um ihnen zu zeigen, daß die Flucht zu Ende ist und daß sie in Deutschland willkommen sind. Ich hoffe, ich konnte ihnen das Gefühl vermitteln, daß ihr Leid etwas geteilt wird - auch, daß man sich solidarisiert mit dem Schicksal im Kosovo. Vor dem Einsatz war ich unsicher: Was erwartet mich, wie sehen die Leute aus? Während der Einsätze war ich fassungslos, aufgrund der geschilderten Schicksale. Danach jedoch hatte ich ein gutes Gefühl, weil wir versucht hatten, das Leid im Bereich des Möglichen etwas zu mildern; außerdem habe ich seitdem eine andere Sichtweise unserer vergleichsweise unwichtigen "kleinen" alltäglichen Probleme.
Betreuung einer Familie nach dem Suizid der Ehefrau und Mutter
Einer meiner letzten Einsätze hat mich sehr bewegt. Wir wurden direkt an den Unfallort gerufen. Eine junge Frau - 33 Jahre alt - hatte sich aus großer Höhe in den Tod gestürzt. Sie war im vierten Monat schwanger und hatte zwei Kinder im Alter von 4 und 7 Jahren, außerdem war sie verheiratet. Die Frau war in einer depressiven Phase, war auch bei einem Psychotherapeuten, der sie beruhigt hatte mit den Worten: "Sie müssen sich zusammenreißen". Niemand in der Familie wollte glauben, daß sie tot ist. Wir mussten den Ehemann, die Eltern, die Schwiegermutter, den Freund und die Freundin betreuen. Der Mann legte Wert darauf, seinen Kinder selbst und alleine die schlimme Nachricht zu überbringen, was wir natürlich akzeptierten. - Die Tote war Lehrerin von Beruf, hatte einen großen Freundeskreis, sie hinterlässt eine große Lücke - sie war sehr beliebt.
Überbringung einer Todesnachricht
Der für mich wichtigste Einsatz war die an sich simple Überbringung einer Todesnachricht. Ich musste einen älteren Mann benachrichtigen, daß seine Frau im Alter von 80 Jahren gestorben war - leider musste ich das alleine tun. Das Schöne für mich daran war, zu merken, daß Menschen auch sehr gut auf die Botschaft des Glaubens ansprechen - nicht nur auf reine Psychologie, da mir dieser Aspekt in unserem Verein manchmal überhand nimmt. Das gemeinsame Gebet hat diesem Mann viel Kraft gegeben, er hat sich auf die Auferstehungshoffnung besinnen können und ging gestärkt und gefasst in die Zeit der Trauer.
Betreuung nach einem plötzlichen Todesfall
Ich hatte keinen Bereitschaftsdienst, kam um 23.15 Uhr von einer Einladung nach Hause und wurde um 0.25 Uhr vom Telefon aus dem ersten Schlaf geläutet - der Rettungsdienst hatte uns angefordert. Der Einsatzort war nicht leicht zu finden, da wir die Straße im Dunkeln suchen mussten, war für Gefühle vorher keine Zeit. Immerhin: Rettungswagen und Notarzt warteten auf uns, das war sehr positiv und beruhigend. Die Situation: Die um 24.00 Uhr heimkehrende Ehefrau hatte ihren 56jährigen Mann mit der Zeitung in der Hand tot auf dem Sofa gefunden. Die größte Angst der Frau war zu diesem Zeitpunkt, daß die im Obergeschoss des Hauses wohnenden Eltern aufwachen könnten, vor allem die - offenbar leicht hysterisch reagierende - Mutter, die sich angeblich in alles einmischte. Ihre Aussagen "Wir freuten uns drauf, endlich mal alleine zu sein" und "ich glaube das nicht, so etwas passiert doch nur den anderen, aber nicht uns" machten mich nachdenklich. Ich meine, die zweite Aussage trifft auf jeden, den wir betreuen, zu. Ein weiterer Nebeneffekt des Einsatzes: Da ich den Toten über eine Stunde im Blickfeld hatte, bis der Bestatter kam, begleitete mich dieses Gesicht noch zwei Tage. Aber nicht im negativen Sinn, sondern positiv, weil es so entspannt gewesen war.
Betreuung eines Mannes nach Suizid seiner Frau
Vor diesem Einsatz war ich recht aufgeregt. Es handelte sich um den Suizid einer jungen Frau, die ein Baby hatte - wir sollten den Ehemann betreuen. Als wir am Einsatzort ankamen, war die Kripo noch mit der Spurensuche beschäftigt - wir sahen die Frau noch tot in der Badewanne liegen. Wir sprachen mit dem Ehemann sowie mit dem Vater der Verstorbenen. Das Baby war bei der Mutter der Toten und lebte - Gott sei Dank. Dem Vater tat die Betreuung sehr gut - später kamen auch noch die Schwiegereltern der Frau dazu. Ich wusste, ich werde gebraucht und ich konnte mit Worten sehr viel Gutes tun, daher waren meine Gefühle sehr gut. Meiner Kollegin ging es ebenso - wir sprachen nach dem Einsatz auf dem Heimweg noch lange darüber. Es war zwar traurig, aber wir hatten das Gefühl, gebraucht worden zu sein.
Tod an Silvester
Es war an einem Silvesterabend, an dem ich alleine Dienst hatte. Ich betreute einen 92-jährigen Mann, dessen Lebensgefährtin plötzlich verstorben war. Dieser Mann faszinierte mich sehr, weil er geistig und körperlich so fit war - und auch loslassen konnte. Er sagte zu mir: Das tut so gut, daß Sie hier sind, Sie sind ein Ventil für mich. Ich konnte nur Danke nach "oben" sagen, denn einen schöneren Einsatz zum Ende dieses Jahres konnte ich mir nicht wünschen.
Hilfe für eine Familie bei einem Gebäudebrand
Einer der Einsätze, der mich am meisten bewegt, war ein Gebäudebrand. Ich wurde nachgefordert, da eine ganze Familie von der Situation betroffen war und einer meiner NKT-Kollegen schon mit dem - offenbar schockierten - Vater auf dem Weg ins Krankenhaus war. Es war mein zweiter Einsatz (mein erster war auch ein Brand) außerhalb des regulären Bereitschaftsdienstes. Da meine Frau das Auto hatte, musste ich von meinem Vater gefahren werden, konnte mich aber so auf die Situation konzentrieren. Als ich im Ort angekommen war, konnte ich die Rauchwolken (die Löscharbeiten waren noch nicht beendet) schon von weitem sehen. Die Familie war bei einem Nachbarn untergebracht und beobachteten das Szenario von dort aus. Es war, wie sich nachher herausstellte, ein Totalschaden, das Haus brannte völlig aus. Sehr resolut war die Oma, die vor die Tür stürzte, und die Feuerwehrleute "anfeuerte" schneller zu löschen - ein Rettungssanitäter konnte sie gerade noch an der Treppe aufhalten. Ein weiterer NKT-Helfer unterhielt sich mit der Frau des Mannes, der gerade ins Krankenhaus gebracht worden war - dabei wickelte diese ihr Baby. Ich unterhielt mich mit dem kleinen Sohn über das Feuer, das er vom Fenster des Nachbarn aus beobachtete. Während der Brand entstanden war, hatte er Fernsehen geschaut - was, wusste er aber nicht mehr. Er erzählte, daß die Oma (ihr verstorbener Ehemann war bei der Feuerwehr gewesen) noch mit Eimern versucht hatte den Brand zu löschen. In der Zwischenzeit kamen Verwandte, um die Familie abzuholen. Ich wickelte den Kleinen in eine Decke und trug ihn ins Auto. Ich wünschte ihm alles Gute und diesen Wunsch gab er mir zurück! Auch wenn die Familie ihr Hab und Gut nicht mehr retten konnte, war es ein Einsatz, an den ich gerne zurückdenke und der für mich sehr positiv verlaufen ist.
Betreuung nach tödlichem Verkehrsunfall
Ein Einsatz, der mir sehr nahe ging, so daß mir beim Verabschieden die Tränen kamen, war die Betreuung einer Familie. Deren Sohn war nachts so schwer verunglückt, daß er in den Morgenstunden im Krankenhaus verstarb. Seine junge Frau und die Eltern waren im Krankenhaus, als der Arzt mit der Nachricht kam: "Er ist leider gestorben". Da Frau und Eltern Ihren Mann, bzw. Sohn sehen wollten, begleiteten wir Sie zu dem jungen Toten. Wir fuhren Sie alle anschließend nach Hause und betreuten die Familie - und die dazu kommenden Angehörigen - noch einige Zeit. - Zwei Jahre später heiratete die Schwester des Verunglückten. Deren Mutter rief mich an und sagte mir, daß die Tochter und Ihr Bräutigam an Stelle von kleinen Geschenken an Freunde und Nachbarn eine Spende an das Notfall-Krisen-Team machen möchten. Ein schöneres Dankeschön für unsere Arbeit habe ich selten bekommen.
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